Das englische Wort plot bedeutet unter anderem Handlung oder Handlungsstrang. Man findet es öfter in Filmbeschreibungen. Da heißt es dann, ein simpler Plot oder ein phantasievoller Plot. Und dann gibt es da dieses schöne englische Wort plotting. Das ist dann das Tun, also das Entwerfen der Handlung. Ich erinnere mich, dass Allen Stacker dieses Wort öfter verwendet hat, und es hat mich immer angesprochen. „No planing and plotting“, hat er öfter geschrieben, also kein Planen und Entwerfen von Handlungen. Wie recht er hatte! Für das Planen sowieso, aber auch für das Entwerfen von Handlungen, was der Mensch jeden Tag den ganzen Tag lang tut.
Und es ist ihm nicht bewusst, sonst wäre es ja kein Problem. „Um drei mache ich dies, um vier mache ich jenes, um fünf treffe ich jemand, um sechs trinke ich was mit Freunden, um zehn habe ich endlich Zeit für mich, da werde ich mir dann einen guten Film anschauen.“ „Morgen gehe ich einkaufen, um die Mittagszeit, da ist am wenigsten los in den Geschäften. Und dann zum Friseur, der ist wider fällig.“ Usw. usf., jeden Tag den ganzen Tag. Und die Tage sind vollgestopft mit Plotten. Wie gesagt, ich spreche noch nicht einmal von Plänen, die sich bewusste Menschen vielleicht schon abgewöhnt haben, sondern vom Entwerfen von Handlungen, von Handlungsabläufen.
Vor ein paar Tagen habe ich nachts meine letzte Zigarette des Tages geraucht und bin dabei so herumgestanden. Dabei habe ich ganz automatisch daran gedacht, was ich am nächsten Tag so tun wollte, zumindest für einen Teil des Tages. Und da habe ich es richtig bewusst gespürt. Ich habe gespürt, wie wie ich mir ein Korsett angezogen habe und wie es mich geschmerzt hat. Es hat mir die Atemluft abgeschnürt. Zum ersten Mal habe ich gespürt, wie weh dieses Plotten tut und welch kleines Gefängnis ich mir damit baue. Es ist ein Gefängnis des Verstandes.
Ich habe deutlich wahrgenommen, dass mir das Plotten jeden Freiraum nimmt, jede Kreativität unterbindet. Und das nur dadurch, dass ich einen Handlungsablauf für einen Teil entwerfe, dass ich einen Teil des Tages mit Plotten verstopfe. Das geht so leicht und so schnell, dass ich es selbst als sehr bewusster Mensch lange Zeit nicht bemerkt habe.
Mir ist dann das Jahr 2017 eingefallen, oder 17 und 18. Im November 2017 habe ich eine neue Wohnung bezogen. Und da ist mir schon aufgefallen, wie schnell es ging, dass ich mir Handlungsabläufe und Teile von Tagesabläufen zurechtgelegt hatte. Das ging bis ins kleinste Detail! Wie ich mich rasierte, wo ich die Seife hinlegte usw. Und dann natürlich „größere“ Sachen. Wann ich wohin einkaufen ging, welche Geschäfte ich wofür besuchte u. dgl. Es fiel mir damals auf, weil ich mich in neuen Umgebungen befand, sonst wäre es mir gar nicht aufgefallen. Es hat mich damals aber nicht gestört, da war kein unangenehmes Gefühl.
Sicher, ein Teil passiert aus rein praktischen Gründen. Ich erforschte, auf welche Art die Dinge besser funktionierten. Aber letztlich ist es doch umgekehrt. Ich erforschte, wie ich meine Gewohnheiten, die ja schon seit Ewigkeiten da waren, am besten in die neuen Umstände pferchte!
Und vor ein paar Tagen habe ich erstmals bemerkt, wie klein dieses Gefängnis ist, das ich mir durchs Plotten baue, durch dieses Entwerfen von Handlungsabläufen.. Und nun stelle dir einmal vor, du hast ein Problem. Egal wie klein oder groß. Ganz automatisch gehst du ins Plotten. „Wenn ich dieses und jenes tue, wird wahrscheinlich dieses und jenes geschehen.“ Und dabei beziehst du dich auf Dinge, die dein Verstand schon kennt, also du beziehst dich auf Muster. Das alles ist das Gegenteil von Neuer Energie und das Gegenteil von Kreativität. Wen wundert es da, dass nichts dabei herauskommt?
Der Plot, die Handlung, und das Tun, also das Plotten, das Entwerfen von Handlungen, ist ein kleines Gefängnis, das der Verstand baut. Mit Mustern. So wirst du unfrei und unkreativ und merkst es nicht einmal, weil alles daran so gewohnt ist und automatisch abläuft. Doch jetzt kannst du ein paar tiefe Atemzüge nehmen und dadurch beginnen, aus dem Plot auszusteigen.
PS: Vor ein paar Wochen habe ich über das Erwachsensein geschrieben bzw. über das erwachsen Werden. Es ist entschieden, ich mache kein Buch daraus. Das Hauptkapitel in den Lehren und drei Unterkapitel sind schon geschrieben (noch nicht veröffentlicht). Vier weitere Unterkapitel folgen noch. Und dann veröffentliche ich alles zusammen.
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