Nicht mehr warten

Nicht erwachsene Menschen verbringen sehr viel Zeit mit Warten. Nicht alle natürlich, aber die meisten. Da gibt es ein menschliches Muster, natürlich auch bei Schlafenden, das so ähnlich lautet wie: „Ich will etwas erreichen. Und solange ich es nicht erreicht habe, warte ich, dass es eintritt.“

Warten ist ein Muster, ein Muster in sich selbst. Das ist den Menschen nicht bewusst. Und so warten sie halt. Aufbessere Tage.

Es ist nicht nur so, dass Warten zu nichts führt und niemals das bringt, worauf der Mensch wartet, dass es zu einem Energiestau führt, es blockiert sogar Energie, es blockiert den Energiefluss. Angenommen, jemand wartet und tut ansonsten nichts. Das Nichtstun könnte ja Wunder wirken, aber eben nicht dann, wenn jemand darauf wartet, dass Wunder geschehen. Das Warten blockiert den Fluss kreativer Energie, die so nötig gebraucht wird. Es ist wirklich wie mit dem Kaninchen und der Schlange. Jeder weiß, dass das Kaninchen dabei immer verliert.

Das Warten drückt eine innere Haltung aus. Diese Haltung besagt, dass ein Mensch etwas will und es weder wählen noch sonst wie erschaffen kann. Also eine Opferhaltung. Und in dieser Opferhaltung geschieht eben nichts, gar nichts. Das Warten führt zu noch mehr warten, was zu noch mehr warten führt.

Ich habe es so oft erlebt. Ich habe auf etwas gewartet, was natürlich nicht passiert ist. Kaum habe ich mich anderen Dingen gewidmet, ist das passiert, was durch warten nicht gekommen ist.

Etwas anderes ist es, nichts zu tun. Sofern man beim Nichtstun auf nichts wartet. Man tut halt nichts. In der Regel öffnet das Nichtstun innere Tore und bringt Ideen und Erkenntnisse. (An dieser Stelle ist es wieder einmal an der Zeit, auf die Hilfsmittel hinzuweisen.)

Apropos wählen. Wie viele Menschen wählen etwas und warten dann darauf, dass das Gewählte Realität wird? Ich bekomme das oft zu hören. Diese Menschen haben in der Regel nicht gewählt, sondern gewünscht. Sie wissen nicht, dass es da nichts zu warten gibt. Die Wahl beginnt sofort, nachdem sie ausgesprochen wurde, Realität zu werden. Da gibt es vielleicht noch ein paar Hindernisse, die sich aber auch sehr schnell zeigen. Nach einer Wahl auf etwas zu warten, ist jedenfalls der völlig falsche Zugang und führt zu warten.

In manchen Fällen wird eine Wahl nicht Realität, weil sie nicht getroffen werden kann. Weil sie den Menschen zB klein macht oder anhängig oder unsouverän. Das wird jedenfalls alles von der Seele blockiert.

Ich habe zweimal etwas gesagt, was wichtig ist, einmal gleich im ersten Absatz. „Jemand will etwas, jemand will etwas erreichen.“ Es gibt im göttlichen Leben nichts zu erreichen. Es gibt bestenfalls etwas auszuwählen. Sobald ein Mensch im Modus der Wollens bzw. Erreichen-Wollens ist, fangen seine Probleme an und hören nicht auf. Und schon wieder bin ich bei der ganz großen und fundamentalen Umstellung von menschlich auf göttlich.

Ein erwachsener Mensch wartet nicht, nicht mehr. Er weiß, welche Probleme das mit sich bringt und tut es einfach nicht. Er wartet auf nichts und niemand, nie mehr wieder. Stattdessen tut er einfach, was er tut, was immer das auch ist. Ohne eine Agenda dabei zu verfolgen.

Glossar