Was meine ich mit Nichtstun?

Es gibt nichts zu tun. Fangen wir am besten gleich damit an! smiley

Diesen Spruch kenne ich schon sehr lange. In meiner Jugendzeit ist zuhause einmal eine Folie mit verschiedenen Aufklebern mit Sprüchen irgendwo herumgekugelt, dieser Spruch war einer davon. Ich habe ihn mir gleich genommen und auf meine wichtigste Mappe geklebt. Du siehst also, die Idee des Nichtstuns begleitet mich schon wirklich lange, wenngleich ich in meinem späteren Leben nur selten darauf zurückgegriffen habe.

Ich habe ja schon öfter über das Nichtstun und seine Bedeutung geschrieben und noch viel öfter darüber gesprochen. Aber was meine ich damit genau? Mir fällt gerade eine Frage ein, die mir eine Freundin vor ca. sechs Jahren gestellt hat: „Was genau tust du, wenn du nichts tust?“ Heißt Nichtstun einfach dazusitzen und absolut nichts zu tun? Manchmal ja, aber auf Dauer ginge das am Leben vorbei.

Um es auf eine einfache Formel zu bringen: Nichtstun heißt, nichts zu tun, um etwas zu erreichen.

Diese Aussage ist sehr weitreichend. Ich nenne ein paar Beispiele, um ihre Bedeutung zu veranschaulichen. Du tust nichts, um deine Erleuchtung zu erreichen. Du tust nichts, um ein besseres Leben zu erreichen. Du tust nichts, um gute Beziehungen, Gesundheit und genug Geld zu erreichen. Du tust nichts, um dich selbst mehr zu lieben. Du tust nichts, um ein Problem zu lösen. Du tust nichts, um Klarheit zu erlangen. Du tust nichts, um eine scheinbar problematische Lebenssituation zu verlassen. Usw. usf. Wenn du dich ein bisschen in deinem Leben umschaust, findest du selbst noch viele Beispiele, in denen es nichts zu tun gibt, du aber leider ständig etwas tust.

Und jetzt sage ich es noch einmal: Nichtstun heißt, nichts zu tun, um etwas zu erreichen. Das meine ich mit Nichtstun.

Was immer in deinem Leben geschieht oder vorhanden ist, du tust nichts, um es abzuwehren oder zu verändern. Du tust nichts, um etwas zu erreichen. Dein Handeln ist also ohne Agenda. Du erstellst keine Website, um Besucher oder Kunden zu gewinnen. Du führst kein Gespräch, um deinen Gesprächspartner von etwas zu überzeugen. Du pflegst keine Beziehung, nur um diese Beziehung zu haben oder um dich besser oder sicherer zu fühlen.

Doch viel wichtiger als das physische Tun ist das geistige Tun, denn damit beginnen die Probleme. Das heißt, du tust in Gedanken nichts, um etwas zu erreichen. Du suchst nicht im Verstand nach Lösungen. Mit Nichtstun meine ich also sowohl physisches Tun als auch geistiges Tun. Wenn du dich bei Problemen, die du siehst, körperlich ruhigstellst und nicht handelst, aber in Gedanken die Probleme wälzt, tust nicht nichts. Das geistige Nichtstun ist deshalb wichtiger als das körperliche, weil du körperlich nicht ständig aktiv sein kannst. Der Verstand aber ist es, und so erschafft er Emotionen und ein Grundstimmung, die von Sorgen geprägt ist. In dieser Grundstimmung erschaffst du eine trübe Realität. Doch nicht genug damit, wenn die trübe Grundstimmung und die Sorgen über längere Zeit anhalten, kriegst du immer mehr körperliche Probleme. Obendrauf entzieht dir der Verstand Unmengen von Energie, wodurch du total erschöpft bist.

Wer nichts tun muss, kann tun, was immer er will. Das kann natürlich auch dasitzen und absolut nichts tun bedeuten. Das kann aber auch alles andere bedeuten. Ein Buch schreiben, im Garten arbeiten, Freunde treffen, segelfliegen, von Hochhäusern springen, was auch immer. Alles, was dir Spaß macht und Freude bereitet.

Das Nichtstun, das ich meine, ist für den Menschen herausfordernd bis zum Anschlag, ich weiß. Denn es bedeutet einen totalen Paradigmenwechsel. Der Mensch ist, seit er als Mensch existiert, gewöhnt, bei allem, was er erreichen will, tätig zu werden. „Ohne Fleiß kein Preis“, heißt es so schön im alten Bewusstsein. Ja, und in der alten Energie hat das seit Menschengedenken so funktioniert. Ich will etwas erreichen, also muss ich tätig werden, durch handeln und/oder nachdenken. Auf meiner Seite geht es aber um Neue Energie und Neues Bewusstsein. In diesem Beitrag schreibe ich über nichts Geringeres als einen zentralen Unterschied zwischen alter und Neuer Energie. In der alten Energie heißt es „tun, tun, tun“, in der Neuen Energie heißt es „lassen, lassen, lassen“.

Das Tätigwerden gehört zu den alten Werkzeugen, die zunächst immer schlechter und schließlich gar nicht mehr funktionieren. Je länger du auf deinem Weg ins Neue versuchst, alte Werkzeuge anzuwenden, desto frustrierender wird dein Leben, und desto mehr körperliche Probleme tauchen auf.

Das neue Werkzeug heißt bewusst wählen und erlauben – und auf keinen Fall tun! In sehr vielen Fällen brauchst du nicht einmal wählen. Du gehst einfach auf Distanz zu den Dingen, die du da ändern, erreichen oder weghaben willst, und lässt alles geschehen. Denn wenn du auf Distanz gehst und dich damit nicht mehr so involvierst in deine Sorgen und Probleme, lässt du los und lässt die Energie ihre Arbeit machen. So einfach ist das neue Leben.

Leider versuchen sehr viele Menschen, mit alten Werkzeugen in das Neue zu kommen, und das funktioniert schlicht und einfach nicht. Es beginnt damit, dass sie Übungen machen und Methoden anwenden, um der Erleuchtung näher zu kommen. Und entlang des ganzen, langen Weges arbeiten sie an sich. Und wenn sie sehen, dass das nicht funktioniert, arbeiten sie noch mehr. Da fällt mir wieder einmal Paul Watzlawick ein, der in seinem Buch Anleitung zum Unglücklichsein dieses Prinzip „Mehr desselben“ nennt, was eben ein perfektes Werkzeug zum Unglücklichsein ist. wink

Fang also wirklich sofort damit an, nichts zu tun. smiley

Kommentare

Ein wunderbarer Artikel. Weil er so einleuchtend (haha) einen der meist-missverstandenen Themen so clearklar beschreibt. Nun könnte man sagen (also ich könnte das), Nichtstun ist „Arbeit“. Weil der Impuls zu handeln so stark herangezogen ist. Und Vertrauen quasi reziprok reduziert, dass Sein „genügen“ könnte. Danke dir, dass du genug ;o) Energie hast das Selbe immer wieder gleich zu beschreiben und ins „reale“ Leben zu puzzeln.

Ich schreibe in der Tat schon seit Jahren mehr oder weniger dasselbe, zumindest im Kern dasselbe. Aber es gibt bei jedem Beitrag ein paar andere Aspekte, sodass der Kern für mehr Menschen nachvollziehbar ist.

Das Sein genügt. Für alles. smiley

Permalink

Ja genau, das ist es. smiley

@Elisabeth: Auch bei mir ist es die Kreativität. Das ist das einzige, das immer wieder die größte Freude bereitet. Wir sind eben von Natur aus Schöpferwesen. smiley

Permalink

Finde ich sehr treffend beschrieben. Seitdem ich aufgehört habe zu tun, um zu erreichen, tue ich nur noch aus Freude an der Sache. Seitdem hat sich bei mir eine Kreativität in meinem Leben entwickelt, die ich nie zuvor kannte und ich möchte am liebsten den ganzen Tag nichts anderes mehr tun als meiner Kreativität zu folgen. Ich war nie so glücklich wie jetzt und habe teilweise Probleme dieses Glück einfach anzunehmen, weil es so ein ungewohntes Gefühl ist.