Kampf der Giganten

Die zwei Giganten, von denen ich spreche, sind das menschliche Selbst und das göttliche Selbst. Und sie sind wahrlich Giganten, beide. Ich sehe immer deutlicher, wie gigantisch sie sind. Wie groß und mächtig, und mit welcher Gewalt sie vorgehen. Sie kämpfen darum, wer das Leben des Menschen steuert bzw. wer es besser steuert.

Der Einfachheit halber nenne ich in der Folge das göttliche Selbst Seele und das menschliche Selbst Mensch. Damit meine ich den Nur-Menschen, der so tut, als ob keine Seele in ihm wäre.

Genau genommen kämpft die Seele nicht. Sie nimmt die Haltung ein: „Gut, lieber Mensch, wenn du das unbedingt selber machen willst, dann mach. Ich mische mich nicht ein.“ Was nur leider nicht stimmt, sobald der Mensch beginnt zu erwachen. Dann mischt sie sich insofern ein, als sie bestimmte Wege und Möglichkeiten versperrt. Sie tut das deswegen, weil diese Wege und Möglichkeiten alt sind, den Menschen in Trennung von sich selbst halten und ihn nicht zu sich selbst führen.

Der Mensch hingegen kämpft. Er will um jeden Preis die Steuerung seines Lebens behalten. Wirklich um jeden Preis und unbedingt. Und er beklagt sich bei der Seele, warum sie nicht helfend und unterstützend eingreift. Er sagt zB: „Ich brauche in dieser Angelegenheit Hilfe und Unterstützung von anderen Menschen. Warum schickst du sie mir nicht?“ Die Seele scheint nicht zu antworten. Tatsächlich aber antwortet sie ständig. Sie sagt: „Du lässt mich nicht, weil du dich andauernd selbst darum kümmerst.“

Dem Menschen fällt gar nicht auf, dass er ständig Ausschau nach helfenden Menschen hält. In Gedanken und in Taten, vor allem in Gedanken. Und dadurch blockiert er jeden Energiefluss. Gedanken, vor allem Sorgen, und Ängste blockieren Energie. Die Macht des Menschen liegt darin, Energie zu blockieren. Auch durch Vorstellungen, wie und wann etwas zu geschehen hat. Doch damit nicht genug! Wenn dann doch Lösungen auftauchen, weil der Mensch gerade eine Pause macht mit vorstellen, sich sorgen und sich ängstigen, in Form von einem Menschen oder einer Möglichkeit, sagt der Mensch: „So will ich das nicht.“ Blockade Rundherum.

Der Mensch sagt: „Ich brauche mehr Geld.“ Und was tut er? Er denkt ständig daran, auf welche Weise wie viel Geld zu ihm kommen soll, und natürlich wann es kommen soll. Und merkt nicht, dass er damit das blockiert, was er braucht. Da hat die Seele keine Chance, irgendetwas zu tun. Und dann hegt er vielleicht noch Vorstellungen, doch einen Job zu suchen, damit ein bisschen Geld da ist. Doch das blockiert die Seele. Sich für andere krumm zu machen, kommt einfach nicht infrage.

Vor ein paar Tagen ist mir das an mir selbst wieder drastisch aufgefallen. Leider ist mir das konkrete Thema entfallen, sonst hätte ich darüber geschrieben. Jedenfalls bin ich am Abend herumgegangen und habe irgendetwas gemacht. Im Hintergrund sind Gedanken durchgezogen. Und da war es wieder. Ich wollte aus meinem Menschsein heraus vorgeben, was wann wie geschehen soll. Und dabei ist mir auch aufgefallen, dass das fast täglich in unzähligen Details passiert. Wie oft sagte ich mir, dass dieses und jenes bis dann und dann passieren sollte! Die Blockaden, die daraus resultieren, erlebe ich deutlich. Ich habe den Kampf gesehen, den ich da veranstalte. Und dann ist mir der Titel dieses Blogeintrags eingefallen.


Die Seele kann alles für den Menschen arrangieren, wirklich alles. Dabei sind ihr keine Grenzen gesetzt. Sie bringt einfach die benötigte Energie in das Leben des Menschen. Bestimmte Menschen, Geld, Möglichkeiten und Gelegenheiten, was auch immer. Denn der wahre Magnet für Energie ist sie. Der Mensch kann vergleichsweise wenig Energie anziehen. Die Hauptattraktoren sind Liebe und Drama. Beide können für menschliche Verhältnisse viel Energie anziehen.

Wie ich schon sagte, liegt die Macht des Menschen im Blockieren von Energie, womit er sich immer wieder selbst schadet. Doch leider ist er dumm genug, nicht loszulassen, sondern immer mehr auf seine Vorstellungen zu insistieren, wodurch er noch mehr Energie blockiert. Ich habe selbst sehr viele einschlägige Erfahrungen gemacht, in beide Richtungen.

Die Aufgabe des Menschen ist sehr einfach. Er soll immer das tun, was ihm den meisten Spaß und/oder die meiste Freude macht. So kommt er seiner zentralen Aufgabe nach, nämlich Erfahrungen zu machen. Das sind dann allerdings freudvolle Erfahrungen. Seine wahre Macht besteht darin, zu wählen, welche Erfahrungen er machen möchte. Und dann natürlich die Wahl zu erlauben, und nicht dagegen zu arbeiten. Sonst hat der Mensch tatsächlich nichts zu tun. Und dabei ist er fast völlig frei.

Die Einschränkungen, die die Seele vorgibt, sind kleiner, als du denkst. Sie lässt dich nicht in Altes zurückfallen. Statusdenken, dich klein machen, dich verstecken, buckeln, überheblich sein u. dgl. Alles, was zu deiner Freude, deiner Größe, deiner Freiheit und deiner Souveränität führt, ist frei. Auch Reichtum, wenn du reich sein willst. Mit der Einschränkung, dass du deinen Reichtum nicht dazu benutzt, andere zu manipulieren oder abhängig zu machen.

Leider will der Mensch immer steuern und die Oberhand behalten. Das geht nicht und mündet in einen Kampf, bei dem er immer wieder verliert. So entsteht das, was ich öfter die Superraupe nenne, aber niemals ein Schmetterling. Der Mensch glaubt, wenn er erwacht, wird er zu einem Menschen mit Superkräften. Diese Vorstellung trifft aber überhaupt nicht zu.

Der Gigant Seele übt einen sanften Druck auf ihren Menschen aus. Der Druck geht in Richtung nachhause, also zu sich selbst. Dem Giganten Mensch fällt dieser Druck zunächst gar nicht auf, weil er ja selbst in diese Richtung gehen will. Später hingegen leistet er immer mehr Widerstand. Er ist eben sehr eigensinnig.

Das Verhalten des Menschen ist natürlich verständlich, weil er es über viele Jahrtausende so gelernt hat. Dennoch ist es maximal schädlich für ihn selbst. Die Auflösung besteht darin, dir bewusst zu machen, wer du wirklich bist. Dir also bewusst zu machen, dass du die Seele bist, die einen Teil ihrer selbst in einen menschlichen Körper gesteckt hat, um Erfahrungen zu machen. (Bei erleuchteten Menschen: Die alles von sich in einen menschlichen Körper gesteckt hat.) So bekommst du ein anders Gefühl für die Seele und den Menschen, womit ich jetzt den ganzen Menschen meine, nicht bloß den Nur-Menschen.

Alles, was ich beschrieben habe, beginnt am Anfang des Erwachens ganz leicht und steigert sich nach der Erleuchtung auf 100%. Da geht also gar nichts Altes mehr, der Mensch blockiert sich durch menschliche Steuerung zu 100%.

Mein vorletzter Blogeintrag passt hier auch gut her, weil es da um die Frage geht „Wie geht neu?“.

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Lieber Reiner, es wundert mich fast, dass niemand diesen Beitrag kommentiert hat. Er beschreibt genau das Dilemma, das hinter dem „wie lebt es sich erleuchtet“ steht. Gut, ich schreibe ja selbst auch jetzt erst was dazu. Das Bild ist gut, sehr gut. Wie oft hab ich mich gewunden in Beschreibungen wie „meine menschliche Seite“ macht wieder oder denkt oder will oder sorgt sich. Als wäre es ein anderer Teil von mir. Es passte nicht, aber mir fiel nichts besseres ein. Am Anfang meiner Realisierung kam es mir tatsächlich vor wie zwei Teile, zwei Zustände, zwischen denen ich sprunghaft wechsele und mich aufreibe dabei. Irgendwann war mir das dann sonnenklar, dass ich Mensch die Seele bin, Göttin what so ever. Aber das Ringen der Giganten, wie du sie nennst, bleibt ja. Es bleiben / kommen auch die Sorgen, wenn es zum Beispiel um das Aufgaben des Jobs geht. Ich habe letztes Jahr mit all möglichen Symptomen gemerkt, dass ich das (so) nicht mehr machen kann. Ich war /bin wie du eine ziemlich gute, als tough und zielstrebig bekannte Projektleiterin. Vor der Realisierung auf der typischen Karriereleiter mit guten, aber mühsamen Schritten. Wie bei dir wusste meine Seele (da ist es schon wieder…), also, ich als Seele mehr als ich als Mensch. Du kennst ja meine Geschichte, aber die anderen hier nicht. Jedenfalls ging’s nicht mehr. Ging schon, begleitet mit Kopfschmerzen, Gastritis, enormen Konzentrationsschwierigkeiten. Es reichte immer noch, um „gut“ zu sein, im Innen aber ein einziger Krampf. Als ein Knoten in der Brust diagnostiziert wurde, habe ich gekündigt. Der Knoten war dann „nur“ ein geschwollener Lymphknoten, aber gefühlt auch irgendwie ein Teaser, eine Vorschau. Brustkrebs ist in meiner Familie ein Thema. Im Moment des Realisierens, dass da etwas Festes ist in mir, erlosch jede, wirklich jede materielle Bedeutung. Das merke ich im Grunde erst jetzt, wenn ich es so schreibe. Ich hatte also ca. 10 Tage einen zumindest sehr geringen menschgigantomanen Zustand. Es gab zwischen wichtig und unwichtig nicht mal ein Übergang. Ich habe also zumindest schon mal die kurze Erfahrung, wenn das weltliche gänzlich unwichtig wird.

4 Wochen später habe ich die Kündigung zurückgezogen bzw. sie schriftlich nicht eingereicht und in ein 4 monatiges Sabbatical umgewandelt. Hat der Menschgigant sich wieder durchgesetzt? Ich weiß es nicht. Aus heutiger Sicht ist es gut, in der ganzen Ablösesearbeit vom Alten, Beziehung etc. „erst mal“ den Job als Basecase zu haben.

Nun ist mein Sabbatical fast vorbei, und die Rückkehr in den Job kaum vorstellbar. Meine Tage sind „voll“. Ich kümmere mich um meine neue Wohnung, mein Kind, um mich. Wie zum Kuckuck habe ich oder soll ich das neben einem Vollzeitjob tun, bei dem ich Sinnlosigkeiten alter Energien rumjongliere. Gar nicht. Und das Geld? Schweiz teuer wie Sau, die Kita, die Miete… Es tobt in mir nicht mehr so ängstlich wie noch vor einem Jahr, aber der menschliche Gigant sorgt sich, denkt darauf herum. Dem Denken hin und wieder nicht die Bedeutung zu geben wissend, da kommt nix bei rum, gelingt immer mal. Aber Denken bleibt. Und schon blockiert?

Der Mensch glaubt / „hofft“, na, vielleicht in einer anderen Abteilung, mit Menschen, die nicht ganz sooo alt energetisch sind wie in meinem Bereich (da ist es wirklich gruftig alt). Vielleicht etwas weniger als Vollzeit. Vielleicht erst mal abwarten? Ich weiss, ich werde da nicht bleiben. Ich hoffe immernoch, es fügt sich irgendwie so hin, dass ich gehen kann, ohne es „zackzack“ zu entscheiden. Ich bin dann einfach irgendwann weg. Bis dahin doktere ich dennoch daran herum, mich irgendwie rauszumogeln, mich krankschreiben zu lassen, mein Burnout anzugeben etc. Ea sind Verstandesgedanken, um zu legitimieren, dass ich da nicht mehr hin will - ohne die Konsequenz (im Moment) nehmen zu müssen, dass dann eben kein Gehalt mehr kommt. Kein solches, kein erbuckeltes, schon klar. Aber da schnappt der Mensch schon wieder nach Luft….

Liebe Simone,

ich danke dir für diesen Kommentar! Für mich ist dieser Blogeintrag wesentlich bedeutender als „Die Dinge des weltlichen Lebens". Insofern wundert es mich nicht, dass das bisher niemand kommentiert hat, das ist nämlich oft so.

Aber Denken bleibt. Und schon blockiert?

In deinem Fall ja.

Vielleicht etwas weniger als Vollzeit [...]

Wenn du jetzt beginnst, weiterhin Kompromisse mit dir zu machen, wirst du bald an deinem Körper merken, wie toxisch das ist. Und zwar so richtig. Was jetzt gefragt ist, ist eine glasklare Entscheidung für dich.

Im Übrigen wäre ich heute ein schlechter Projektleiter, diese Zeit mit diesen Regeln ist vorbei. wink

Liebe Grüße

Reiner