Die alte Welt

Erleuchtete Menschen pflegen mitunter einen haarsträubenden Umgang mit der alten Welt. Das Spektrum reicht von Kämpfen auf der einen Seite bis zu Ignorieren auf der anderen Seite. Dazwischen gibt es viel Hinnehmen. Bei allen Seiten gibt es viel Naivität.

Das ist kein Wunder, auch ich brauchte damals ein paar Jahre, um mir einen vernünftigen Umgang mit der alten Welt zu erarbeiten. Wobei ich schon ziemlich gut unterwegs war. Ich hatte mir schon im Vorfeld, kurz vor bis kurz nach der Erleuchtung, Lebensumstände erschaffen, die es mir erlaubten, die alte Welt weitgehend links liegen zu lassen und meinen Fokus auf das Neue zu legen. Gleichzeitig hatte ich das Alte nie ignoriert, es ekelte mich eher an. Doch ich pflegte Umgang mit dem Alten, es gab viele spirituelle Menschen, die hauptsächlich mit dem Alten zu tun hatten, mit denen pflegte ich Umgang. Und natürlich hatte ich altes Zeug in meinem Leben, alte Systeme, die sich mir aufdrängten. Aber nicht viele, wirklich nicht viele.

Zugute war mir gekommen, dass ich schon vor meinem bewussten Erwachen meinen letzten Job kündigte, also war der Umgang mit der alten Welt den ganzen Erwachensprozess lang ein Thema für mich, wodurch ich viel gelernt hatte. Ich hatte gelernt, mich raus zu schummeln, Unangenehmes zu umgehen und mit der alten Welt so umzugehen, dass es für mich erträglich war. Beispielsweise habe ich mich, als ich erleuchtet war, lange Zeit zu Fremden nicht sagen getraut: „Ich bin erleuchtet“ oder „Ich schreibe Bücher über Erwachen und Erleuchtung“. Irgendwann konnte ich es nicht mehr nicht sagen, jeder bekam es zu hören, was mitunter für sehr lustige Reaktionen meiner schlafenden Gesprächspartner sorgte.

Alles in allem kam ich ganz gut, aber nicht ganz friktionsfrei durch diese Zeit des Erarbeitens meines Umgangs mit der alten Welt. Du siehst zB, dass es Zeiten und Stellen gab, an denen ich wählte, mich selbst zu unterdrücken, was heute für mich natürlich ein No-Go ist.

Der Punkt ist der. Die ganze Welt besteht noch immer zu über 99% aus alter Welt. Das, was erwachende und erleuchtete Menschen erleben, nämlich die neue Welt, steht dem diametral entgegen. Ein Anpassen oder Angleichen gibt es nicht, absolut ausgeschlossen. Das Spiel der aufgestiegenen Meister kommt für uns auch nicht infrage, nämlich der völlige Rückzug in Berge und Wälder. Wir bleiben hier, unter und mit anderen Menschen. Das ist der Lauf des Bewusstseins. Wir werden nie aufgestiegene Meister, weil wir uns nicht auf die andere Seite wegstehlen, wir sind verkörperte Meister. Und, wie du sehen kannst, die Pioniere der Pioniere. Channelings von aufgestiegenen Meistern sich für uns nur von begrenztem Nutzen.

Das ist die Lage. Somit ist es für Menschen, die spirituell erwachsen werden, zentral wichtig, einen brauchbaren Umgang mit der alten Welt zu entwickeln. Wir haben zwar einen weit, weit größeren Einfluss auf das Massenbewusstsein als irgendjemand sonst, was die meisten von uns gar nicht glauben können, aber die materielle Welt ist alt. Wir leben zum Teil mit ihr und interagieren mit ihr, und das darf uns keine Probleme machen, sonst blockieren wir uns selbst.

Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist dies. Es gibt für alle „Probleme“ eine göttliche Lösung, die alles übertrifft, was der Mensch sich erdenken kann. Das gilt aber nur dann, wenn der Mensch sich nicht einmischt und selbst die Steuerung seines Lebens übernehmen will. Dann ist es schlagartig aus mit göttlichen Lösungen.

Im letzten Kapitel habe ich darauf hingewiesen, was der Unterschied zwischen göttlich und menschlich ist, An dieser Stelle weise ich noch einmal eindringlich darauf hin, denn es ist äußerst wichtig, dass der Mensch endlich umsteigt. Er wird nicht erwachsen, solange er das nicht tut.

Die Alternativen habe ich am Anfang des Kapitels schon erwähnt. Kämpfen ohne Ende, nämlich wirklich ohne Ende, denn ein Kampf gebiert den nächsten. Wie dual und wie ungöttlich! Und Hinnehmen ohne Ende. Das ist eines göttlichen Menschen unwürdig! So nach dem Motto: Was soll ich denn machen? Ich kann es halt nicht ändern. Erbärmlich. Der Mensch verschließt die Augen, als ob er nicht wüsste, wer er wirklich ist.

Dann gibt es die, die die Augen verschließen, weil sie die alte Welt ignorieren und keine Ahnung davon haben, wie sie tickt. Das geht natürlich gar nicht. Es ist sehr wichtig, dass ein erwachsener Mensch die alte Welt nicht ignoriert, die Augen öffnet, sie ansieht und sie akzeptiert, wie sie ist. Nur auf diese Art können Erleuchtete einen passenden Umgang mit ihr entwickeln. Sie hat ja auch Vorteile. Man kann sich zB darauf verlassen, dass Züge pünktlich gehen. (Es sei denn, man lebt in Deutschland. 😃)