Dein Leben ist deine Schöpfung

Ich beginne dieses Kapitel über Schöpfung mit einer Kernaussage, die immer gilt, für schlafende, erwachende und für erleuchtete Wesen: dein Leben ist deine Schöpfung. Und zwar nur deine, nichts und niemand anderes erschafft dein Leben. Schlafende Menschen negieren diese Tatsache schlicht und einfach, erwachende negieren sie zum Teil, und manchmal verhalten sich sogar erleuchtete Menschen so, als ob sie selbst nicht die Schöpfer wären.

Ich kenne alle Einwände, die von Menschen unterschiedlichen Bewusstseins vorgebracht werden. „Wenn dich ein Auto anfährt, kannst du doch gar nichts dafür. Der Autofahrer hat nicht aufgepasst!“ Ich antworte bei solchen Gelegenheiten: „Mich fährt kein Auto an, das kommt in meinem Lebensentwurf nicht vor.“ In der Tat habe ich schon öfters Situationen erlebt, in denen ein Auto, ein Bus oder sogar die Straßenbahn wenige Zentimeter neben mir zum Stehen kam. Ich war unachtsam und hatte nichts gesehen und nichts gehört. Aber die Vorstellung, dass ich schwer verletzt oder gar getötet werden könnte, ist absurd für mich. Ich habe mich für das Leben entschieden, und ich habe noch einiges vor hier auf der Erde. Warum sollte mir also etwas passieren?

Also, du alleine erschaffst dein Leben, niemand sonst. Das gilt für jeden Menschen, für jedes beseelte Wesen. Es kommt schon vor, dass dir jemand etwas Böses will, etwas, das zu deinem Nachteil ist. Aber wenn du dir deines Schöpfertums bewusst bist, verpufft jeder Versuch dieses Jemands im Nichts. Es ist unmöglich, ein souveränes Wesen zu beeinflussen, es zu steuern oder ihm zu schaden.

Vor vielen Jahren, noch vor meiner Erleuchtung, bin ich der Vorstellung, dass ich der alleinige Schöpfer bin, ernsthaft näher getreten. Ich war bereit, diese Tatsache für mich voll und ganz zu akzeptieren. Und siehe da, das hat mir plötzlich Möglichkeiten eröffnet. Ich habe ziemlich schnell gelernt zu sehen, wie und wodurch ich Umstände und Situationen erschaffen habe. Ich habe auch in meine Vergangenheit geschaut und gesehen, durch welche Entscheidungen und Einstellungen ich mein bisheriges Leben erschaffen hatte. Wow! Welche Erkenntnisse ich hatte! Ab da war Schluss mit Ausreden. Ich konnte einfach niemand mehr vorwerfen, was er getan hatte, was dann eine unerwünschte Auswirkung auf mich hatte. Ich konnte mich nicht mehr darauf ausreden, dass ich bestimmte Entscheidungen „unter dem Zwang der Umstände“ getroffen hatte. Ich habe ja nur mehr gesehen, dass alles allein an mir lag.

Das war befreiend und beängstigend gleichzeitig. Befreiend war das Gefühl, dass ich alles selbst wählen, entscheiden und gestalten konnte. Beängstigend war das Gefühl, dass mir mein menschliches Selbst scheinbar oft Streiche spielte und ich mich dadurch in Gefühlslagen trieb, in denen ich nicht Schöpfer war.

Mein Schöpfertum anzunehmen bedeutete nicht, dass ich ab sofort der große, bewusste Schöpfer war, der alles nach seinem Geschmack gestalten konnte. Aber ich konnte das bereits für wirklich große Bereiche meines Lebens. Für ein paar andere nicht. Ich hatte damals nicht mit einem Schlag alles gesehen, aber vieles. Es war vielmehr so, dass ich begonnen hatte, immer mehr und immer besser zu lernen, bewusster Schöpfer zu sein. Und ich kann dir sagen, dass ich oft aus dem Staunen nicht herausgekommen bin. Staunen darüber, wie leicht und wie spielerisch bewusste Schöpfung in Wahrheit funktioniert – solange ich mir selbst nicht im Weg stehe.

Das Gegenteil vom Schöpfer ist das Opfer. Fast alle Menschen sind Opfer und Schöpfer gleichzeitig. In einigen Bereichen ihres Lebens sehen sie, dass sie selbst entscheiden und gestalten können, in einigen nicht. Wenn ich mir die Menschen so ansehe, auch (fortgeschrittene) erwachende, sehe ich, dass sie zu weit mehr als 50% Opfer sind. Ich meine das nicht abwertend, es ist halt einfach so. Ich habe das größte Verständnis dafür, denn den ganzen langen zweiten Schöpfungskreis lang waren wir überwiegend Opfer. Es war fester Bestandteil unseres Bewusstseins, dass es halt irgendwelche äußere Umstände gibt, an denen wir uns zu orientieren haben, mit denen wir umgehen müssen, auf die wir reagieren müssen und an die wir uns anpassen müssen. Und jetzt stecken wir in diesem Lebewesen Mensch drin. Die Erfolgsgeschichte dieses Lebewesens besteht unter anderem darin, dass es ein Meister der Anpassung ist. Kein anderes Lebewesen ist so anpassungsfähig wie der Mensch. Da ist der Bewusstseinsumstieg von Oper auf Schöpfer kein Honiglecken.

Das Opfer glaubt, es muss sich nach der Decke strecken. Es müsse die Befindlichkeiten anderer berücksichtigen, seien es Menschen, Firmen oder Behörden. Es müsse sich nach anderen richten, es müsse eine Unzahl an äußeren Faktoren ertragen oder irgendwie mit ihnen umgehen. Es sieht nur wenige Wahlmöglichkeiten für sich, und oft glaubt es sogar, gar keine Wahl zu haben. Ein Opfer befindet sich überwiegend im reaktiven Modus. Und so gestaltet das Opfer völlig unbewusst sein Leben. Es empfindet, dass äußere Kräfte mächtiger sind als es selbst. Was passiert also? Gemäß seiner Einstellung ist es ständig mit äußeren Kräften konfrontiert, auf die es irgendwie reagiert. Also sieht das Opfer, dass viele andere Menschen und Mächte sein Leben gestalten, nur nicht es selbst. Es sieht nicht, dass es selbst die Grundlage für die Fremdbestimmtheit erschaffen hat und täglich neu erschafft. Und wegen dieser Unbewusstheit ist das Opfer tatsächlich Opfer äußerer Faktoren.

Ein Schöpfer sieht natürlich auch äußere Umstände. Es gibt ja unzählige Menschen da draußen, die ständig etwas erschaffen. In den allermeisten Fällen sieht er aber auch, dass diese Umstände ihn in keiner Weise beeinflussen, dass sie gar nichts mit ihm zu tun haben. Und wenn es einmal vorkommt, dass etwas im Außen tatsächlich auf ihn wirkt, reagiert er nicht, sondern er antwortet.

Ein Opfer reagiert. Eine Reaktion ist wie instinktives Verhalten. Sie erfolgt unmittelbar, automatisch und folgt festen Mustern. Ein Schöpfer antwortet. Er nimmt einen tiefen Atemzug, fühlt die Situation, fühlt, was er in dieser Situation tun möchte und gibt eine Antwort aus seinem ganzen Wesen heraus. Wie mächtig! Durch seine Antwort erschafft er schon wieder etwas. Etwas, das mit ihm in Einklang steht und seinem aktuellen Weg entspricht. Durch die Antwort verändert sich die Situation augenblicklich.

Alleine dadurch, dass du dir des Unterschiedes zwischen Reaktion und Antwort bewusst wirst und beginnst, immer öfter zu antworten anstatt zu reagieren, gehst du einen riesigen Schritt in Richtung bewusstes Schöpfertum.

Erwachende Menschen werden im Lauf ihres Erwachens oft immer kreativer im Erfinden äußerer Kräfte. Da sind es dann nicht mehr nur die anderen Menschen, die Firmen und die Behörden, die bestimmen, sondern da kommen dann auch noch (je nach Belieben) Gott, das Universum, diverse Engel, dunkle Mächte, die eigene Seele, das höhere Selbst und was weiß ich was alles dazu. Alles zusammen ergibt eine unüberwindbare Armee von äußeren Kräften und Mächten, der Mensch wir reduziert zum Staubkorn. (Kennen wir das Staubkorn nicht schon von den christlichen Kirchen?)

Ich verstehe natürlich, die Opferhaltung hat auch Vorteile, sie ist nämlich sehr bequem. Man verharrt in Passivität und erhofft sich, dass alles in seinem Sinne verläuft. Tut es aber höchst selten, nicht wahr? Mir sind nicht wenige Menschen begegnet, die es als anstrengend empfinden, eine Entscheidung zu fällen oder gar eine Wahl zu treffen. Da bleiben sie lieber in ihrer Situation, die sie als scheußlich empfinden, und warten auf bessere Zeiten. Die Komfortzone, die aus alten Mustern besteht, ist in der Tat sehr komfortabel, so ungemütlich sie auch sein möge.

Warten, Wünschen und Hoffen sind Opferhaltungen. „Ich mache etwas Neues, wenn ...“ ist eine Opferhaltung. Es ist das Abhängigmachen einer Entscheidung von Bedingungen, die Bedingung liegt immer in äußeren Umständen. „Ich muss mich um meine Familie kümmern“, „Ich habe kein Geld“, „Ich bin krank“, „Ich habe Angst“, „Ich trage ja Verantwortung für ...“ … lauter Ausreden! Ausreden dafür, nicht die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Dein Schöpfertum anzunehmen und ab nun bewusst zu handeln bedeutet, die volle Verantwortung für dich selbst und niemand anderen zu übernehmen. Für erwachende Menschen muss irgendwann Schluss sein mit Ausreden. Denn Tatsache ist, dass du der alleinige Schöpfer deines Lebens bist. Solange du in einer Opferhaltung bist, kannst du nicht weiter gehen, du kannst nicht zu dem großartigen Wesen werden, das du eigentlich bist.

Manche Leser mögen meine Aussagen als roh oder brutal empfinden, aber ich sage nur, was Sache ist. Deutlich und unmissverständlich. Welchen Sinn hätte es, wenn ich mit süßen Worten daher käme, die letztlich nichts verändern?

Auf dich wartet keine Arbeit, so hast du früher erschaffen. Auf dich wartet ein richtiges Leben, das du völlig unabhängig und frei gestalten kannst. Es muss dir in Fleisch und Blut übergehen, dass du entscheiden kannst, was immer du willst. Es gibt keine äußeren Begrenzungen. Du kannst wählen, was immer du willst. Die Menschen, die so gerne Ausreden parat haben, sind die, die weder wählen noch entscheiden. Sie versuchen es erst gar nicht.

Ich habe vor langer Zeit entschieden, meinen gut bezahlten Job zu kündigen und keinen neuen anzunehmen. Ich wusste auch gar nicht, was ich weiter machen wollte. Was ist passiert? Es begann die bis dahin beste Zeit meines Lebens, ich habe sie unheimlich genossen. Ich begann zu erwachen, das war sehr unerwartet. Nach einiger Zeit entdeckte ich eine Leidenschaft in mir, der ich nachgehen musste. Meine neue Tätigkeit hatte absolut nichts mit meinen vorigen Berufen zu tun. Ich war auf Anhieb erfolgreich.

Knappe vier Jahre später habe ich entschieden, meine Wohnung zu kündigen, ohne eine andere zu haben. Was ist passiert? Ich habe die bis dahin berauschendsten Erfahrungen gemacht, von denen ich mir vorher gar nicht vorstellen konnte, dass sie überhaupt möglich waren.

Ich habe viele lebensverändernde Entscheidungen getroffen – ich habe keine einzige bereut. Ich habe mich nie durch fehlendes Geld von etwas abhalten lassen. Mein Leben wurde immer besser, ich habe unendlich viel gelernt, ich wurde immer weiser. (Nicht intelligenter im klassischen Sinn, das hat eher abgenommen.)

Ich würde niemandem raten, meinen Weg zu gehen. Ich erzähle diese Dinge von mir, um dir ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass einem bewussten Schöpfer keine Grenzen gesetzt sind. Und um dich zu ermutigen, dir deine Opferhaltungen anzusehen, sie aufzugeben, selbst zum bewussten Schöpfer zu werden und deinen eigenen Weg zu gehen, ohne Rücksicht auf äußere Umstände.

Denn so oder so, du bist der alleinige Schöpfer deines Lebens. Je schneller du das erkennst, desto besser.

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