Intelligenz versus Kreativität

In den letzten Monaten begegne ich immer mehr Menschen, die sich auf irgendeine Art mit KI befassen bzw. Teile der KI für sich nutzen. Ich selbst tue das nur am Rande. Aber ich habe mich bereits in dem 1990er Jahren intensiv damit beschäftigt, selbst KI-Anwendungen zu erstellen und zu studieren, welche verschiedenen Ansätze es gibt und welche dafür geeignet sind. Da hat es Google noch gar nicht gegeben bzw. es hat noch tief geschlafen. (Google war ein Treiber für Innovation und wurde später ein Treiber für KI.)

Gut, zurück zu meinen Bekannten. Den einen kenne ich schon über ein Jahr lang. Er ist sehr kreativ, schreibt Drehbücher und macht Filme. Mit KI spielt er herum, um zu sehen, was alles geht. Nutzen tut er KI, um Feedback zu seinen Schöpfungen zu erhalten und zu sehen, was er besser machen könnte. Er lässt die Struktur seiner Werke von KI analysieren. Er könnte aber niemals ein Drehbuch von KI schreiben lassen, das muss er seinem Empfinden nach selbst tun.

Den nächsten Bekannten kenne ich erst seit wenigen Monaten. Er geht aufs Ganz und lässt von der KI Sketches und Geschichten schreiben. Aber auch er ist nicht unkreativ und hat viele Ideen. Seine Kreativität besteht darin, dass er die KI mit dem richtigen Input füttert, sodass sie in der Lage ist, Sketches und Geschichten zu schreiben, die exakt seinen Vorstellungen entsprechen. Sein Input besteht aus ein paar sorgfältig ausgewählten Zeilen, die Geschichte, die die KI erstellt, aus etlichen Seiten.

Den dritten Bekannten kenne ich erst seit ein paar Wochen. Er schreibt Bücher. Er verendet KI dazu, um sich Covers erstellen zu lassen. Da bin ich hellhörig geworden, denn meine Schwäche beim Erstellen eines Buches ist das Cover, ganz klar. Das kann ich wirklich nicht gut. Dabei weiß ich, dass das Cover wesentlich für die Kaufentscheidung ist. Ein gutes Cover ist für Autoren Gold wert. Der besagte Bekannte schreibt, wie ich, seine Bücher selbst, nicht mit KI. Dann lädt er sein Manuskript in seinem KI-Tool hoch, sie liest es, holt etliche, zusätzliche Informationen und erstellt ein Cover, das passt, wie die Faust aufs Auge. Dieses Tool werde ich demnächst testen und bei passender Qualität auch verwenden.

Ich habe diesen Effekt des Buchcovers besonders bei meinem Buch Spirituelles Erwachen gesehen. Da habe ich ein Goldhändchen gehabt und ein Cover erstellt, das mir selbst richtig gut gefallen hat. Und siehe da, dieses Buch wurde und wird signifikant öfter gekauft als alle anderen. Es gibt auch ein Negativbeispiel, wo das Buch sehr gut ist, das Cover sehr schlecht, und das dementsprechend fast gar nicht gekauft wird.


KI, künstliche Intelligenz, ist, wie der Name schon sagt, eine Form von Intelligenz. Und Menschen neigen dazu, Intelligenz maßlos überzubewerten. Was kann Intelligenz? Nicht viel. Sie kann in erster Linie reproduzieren. Das ist die Ebene 1 des Wissens. Darüber hinaus kann sie aufgrund von vorhandenen, verwandten Informationen kombinieren und so etwas Neues erzeugen, was die Ebene 2 des Wissens ist. Und das geht natürlich nur auf Basis und im Rahmen der Informationen, die vorhanden sind. Das ist die Grenze von Intelligenz. Bei der natürlichen Intelligenz stellt die Rechenleistung und die Datenbank der Informationen der Versand zur Verfügung, bei der künstlichen Intelligenz sind es spezialisierte Computer, die über riesige Datenbanken verfügen und eine Rechenleistung, die die des Verstandes um ein Zigtausendfaches übersteigt.

Künstlich ist freilich auch die natürliche Intelligenz, von der Ebene 3 und 4 des Wissens keine Spur, ebenso wenig von Ideen und Gespür. Als Entscheidungsgrundlage kaum zu gebrauchen. Da die KI eine exakte Nachbildung der NI ist, gilt für sie dasselbe. Sie ist quasi eine künstliche künstliche Intelligenz, Natürlich sind die unendlichen Fähigkeiten eines bewussten, beseelten Wesens, das sich zu gegebenem Anlass diverser Formen von Intelligenz bedient.

Gestern ist mir anlässlich meiner Gedanken zur Intelligenz etwas eingefallen. Als ich zur Schule ging, war ich nicht in der Lage, von meinen Sitznachbarn etwas abzuschreiben, wenn ich es selbst nicht wusste. Diese Unfähigkeit hatte nichts mit Moral zu tun, dass ich glaubte, Abschreiben wäre verwerflich, irgendwie schlecht. Nein, nein, Moral war schon damals nicht meine Sache, ich habe auch andere von mir abschreiben lassen und ihnen noch geholfen. Besonders in Mathematik hatte die halbe Klasse meine Lösungen, die so typisch für mich waren, dass es den Lehrern natürlich auffiel. Aber zB in Latein war ich lange Zeit schlecht. Ich habe nicht abgeschrieben und dann eine sehr schlechte Schularbeit abgegeben. Der Grund meiner Unfähigkeit war: Alles, was ich mach außen von mir gab, musste von mir sein. Und wenn es grottenschlecht war, dann war es eben grottenschlecht. Dafür aber von mir. Ich konnte also damals schon nicht geistigen Diebstahl begehen. Und das ist im Lauf der Zeit immer stärker geworden.

Als ich im Jahr 2010 begonnen habe, Webseiten zu machen, war meine Seite so einzigartig, dass sie einschlug wie eine Bombe. Sie war binnen kürzester Zeit die bestbesuchte spirituelle Seite im deutschsprachigen Raum. Und alles daran war von mir. Über Jahre und Jahrzehnte wurden meine Seiten von verschiedenen Menschen kopiert, es ist mir immer sofort aufgefallen, ich habe nie ein Wort gesagt. Mir war immer klar, nur das Original ist das Original und findet Anklang. Dementsprechend wurden die Kopiervesuche nie erfolgreich. Meine Seiten waren es immer.

Alle meine Bücher wurden gestohlen und widerrechtlich kopiert. Auch die, die es gar nicht mehr gibt. Einmal hat mir sogar jemand geschrieben, der die gestohlene Version hatte und sie ganz toll fand. Es gibt im Internet gleich mehrere Portale, die auf den Diebstahl von Büchern spezialisiert sind. Sie bieten dann die Bücher selbst stark verbilligt an, und machen so mir der Masse ihr Geschäft. Als ich das entdeckt habe, habe ich versucht, etwas dagegen zu unternehmen. Ich habe schnell erkannt, dass mir das noch mehr Energie raubt. Heute kratzt mich das gar nicht mehr. Die Bücherdiebe steigern meinen Bekanntheitsgrad und generieren so auch Einnahmen für mich.

Kurz, nachdem mir gestern eingefallen ist, dass meine Arbeiten alle immer von mir sein mussten, ist mir ein Blogeintrag aus dem Jahr 2012 eingefallen, der das Thema behandelt, was meins ist und was nicht. (Siehe Link unten.) Fast das Einzige, was wirklich originär meins ist, ist meine Kreativität. Jeder Mensch ist ein Schöpfer und erschafft in fast jedem Moment etwas. Das Schöpfersein ist seiner Göttlichkeit immanent. Der Mensch kann gar nicht anders. Und Schöpfersein hat mit Intelligenz gar nichts zu tun. Da sind völlig andere Instanzen zuständig.

Die Sache ist nur, dass sich fast alle Menschen ihres Schöpferseins und damit ihrer Kreativität überhaupt nicht bewusst sind, und so erschaffen sie jeden Tag dasselbe und erfahren jeden Tag dasselbe. Es ist ihnen nicht bewusst, dass sie beim Putzen ihrer Wohnung eine saubere Wohnung erschaffen. Dass sie mit der normierten Buchhaltung sehr kreativ umgehen können. Dass das Aufziehen eines Kindes aus vielen kreativen Akten besteht. Dass sie auch im Schlaf kreativ sind. Dass bei lästigem Detailkram bei jedem Detail die Möglichkeit besteht, es kreativ anders zu machen. Usw. usf. Wenn ihnen ihre Kreativität bewusst wäre, wurden sie nicht einfach jeden Tag dasselbe erschaffen und erfahren.

Die Kreativität eines Menschen gehört wirklich ihm allein und kann von niemandem gestohlen werden. Sie ist für jeden Menschen absolut einzigartig und nicht kopierbar, Da Menschen das intuitiv spüren., machen sie entsprechende Regeln. So ist beispielsweise in Österreich das Urheberrecht das mit Abstand bestgeschütze Recht überhaupt. Weit vor dem Eigentumsrecht. Auf das Urheberrecht kann man nicht einmal verzichten, das gehört einem Menschen von der Geburt bis zum Tod. Auf das Eigentumsrecht hingegen kann man verzichten. Ich nehme an, das ist in ganz Kontinentaleuropa so, in dem sich die Rechtsordnungen sehr ähneln. Im angelsächsischen Raum ist das nicht so, da gibt es nur das Copyright, das bestenfalls ein billiger Abklatsch des europäischen Urheberrechts ist.


Aus meinem kleinen Diskurs über Intelligenz und Kreativität geht wohl klar hervor, was ich von beiden hakte. Nichts desto trotz haben mir meine drei Bekannten bewusst gemacht, dass es ziemlich absurd ist, auf das Werkzeug KI zu verzichten. Oh, es löst keinesfalls meine Kreativität ab, niemals. Und auch nicht meinen Anspruch, dass alles, was von mir mach außen geht, auch von mir, von meiner Kreativität, sein muss. Ich mache so viele verschiedene Dinge. Alle Texte meiner Website, die Website selbst, den ganzen technischen Kram rundherum, die Bücher, die immens viel Arbeit sind, die weit über den kreativen Teil hinaus geht, und natürlich die Arbeit mit meinen Klienten, die ich mir mit Sicherheit nie von jemandem abnehmen lasse. Aber ich habe mir schon oft gedacht, dass ich einen Assistenten / eine Assisttentin bräuchte. Assistenten wollen natürlich Geld sehen, so hoch sind meine Einnahmen aber nicht.

Also lege ich mir zwei, drei KI-Assistenten zu. Gut, für Feedback brauche ich keine KI, das brauche ich gar nicht. Ich tue sowieso, was ich tue, und ein paar Menschen gibt es immer, denen das gefällt.

Aber vor allem iVm Büchern fallen mir ein paar Sachen ein. Beim Cover verzichte ich auf meine Kreativität, weil ich das nicht gut kann. Das Korrekturlesen ist auch so ein Anliegen. Ich weiß einfach, dass auch nach dem achten Korrekturlesen von mir noch immer Tippfehler im Text sind. Ich habe auch an ein KI Lektorat gedacht. Aber da bevorzuge ich einen menschlichen Lektor, der seine Kreativität ins Lektorieren einbringt. Die Buchbeschreibungen auf der Website und anderswo wären auch ein guter Fall für KI.

Naja, es gibt einiges. Damit werde ich mich in nächster Zukunft intensiv auseinandersetzen. Dringlichkeit besteht durchaus, denn das nächste Buch klopft schon an in mir. wink

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