Das Ende der Welt

Letzte Nacht habe ich in meiner aktuellen Lieblings-Fernsehserie ein Lied gehört, das irgendwie schöne Gefühle von damals schmerzlichen Erlebnissen in mir geweckt hat. The End of the World (Das Ende der Welt) ist der Titel des Lieds. Das Ende der Welt, genauso habe ich das damals empfunden.

Auf meiner spirituellen Reise geschah es nicht einmal, sicher drei oder vier Mal, dass ich mich völlig am Ende sah. Ich meine, so richtig am Ende, nicht bloß in einer Phase, in der nichts mehr ging und nichts mehr funktionierte.

Warum scheint die Sonne noch immer?
Warum strömt das Meer ans Ufer?
Wissen sie denn nicht, dass dies das Ende der Welt ist?
[…]

Warum singen die Vögel noch immer?
Warum glühen die Sterne da oben?
Wissen sie denn nicht, dass dies das Ende der Welt ist?
[…]

Ich wache morgens auf und wundere mich,
warum alles genauso ist wie vorher.
Ich kann nicht verstehen,
nein, ich kann nicht verstehen,
warum das Leben einfach weitergeht!

Warum schlägt mein Herz immer noch?
Warum weinen meine Augen?
Wissen sie denn nicht, dass dies das Ende der Welt ist?
[…]

Diese Zeilen hatten meine Stimmung exakt ausgedrückt. Das Lied handelt zwar von einer unglücklichen Liebe, was bei mir nicht der Fall war, aber diese Zeilen trafen mein Gefühl. Ich saß da, sah mir mein Leben an und sah mich am Ende. Ich hatte kein Geld und keinen Menschen, stattdessen noch Verpflichtungen, ich sah auf einen Weg zurück, auf dem alles immer schlechter geworden war. Ich hatte keinerlei Aussicht auf irgendetwas Schönes, ich sah keinen Ausweg. Wenn ich sage, ich war völlig verzweifelt, ist das ein Hilfsausdruck. Ende, Ende, Ende, ich sah mich am Ende meines Lebens.

Ich blickte zurück auf mich, auf mein Leben. Was für ein wundervoller, großartiger Mensch war ich einmal gewesen! Was hatte ich alles getan und gelebt! Irgendwie hatte ich mir alles erschaffen, was ich gebraucht und gewollt hatte. Ich war geschätzt, geachtet und geliebt geworden. Und jetzt? Früher hätte ich es nie soweit kommen lassen, hätte nie meine Existenz, mein ganzes Leben aufs Spiel gesetzt. Ich war ein Überlebenskünstler gewesen. Dieser Blick zurück machte mich noch trauriger, frustrierter und verzweifelter. Aber ich konnte nicht mehr so handeln wie früher, um mich da irgendwie raus zu holen, diese Tür war verschlossen.

Ich wollte sterben, ich wollte dieses Leben, das keines war, nicht mehr. Ich sah keinen einzigen Lichtstrahl, nichts! Ich dachte daran, mich umzubringen. Mehr noch, irgendwie war ich entschlossen dazu. Aber! Ich fühlte ganz genau, dass es mir nicht gelingen würde. Ich wusste, dass ich meinen Selbstmordversuch überleben würde, auf welche Weise ich es auch anstellen würde. Vielleicht würde ich dann ein Krüppel sein, aber ich würde weiterleben. Diese Aussicht machte alles noch viel schlimmer.

Dieses Lied, diese Zeilen, sie drückten mein Empfinden aus. Ich konnte nicht verstehen, warum mein Herz immer noch schlug. Die Sonne, das ganze Leben da draußen, sie verspotteten mich, indem sie ganz normal weitermachten. Dabei war der Punkt, wo ich war, das Ende der Welt, das dunkelste Loch, das es im Universum gab!

Ganz heftig war es im Dezember 2009. Ich suchte in meinen Gedanken nach einem Weg, mich umzubringen. Nach einem Weg, der funktionieren würde. Und was geschah dann? Ich ERWACHTE! Ich trat meinen ersten, wirklichen Höhenflug als göttlicher Mensch an, ich befreite mich und lebte elegant als Schöpfer in der Neuen Energie. Ist das nicht geradezu grotesk?

Ca. ein Jahr später, im Spätherbst 2010, war es wieder soweit. Diesmal sah ich in der Rückschau etwas noch viel Prächtigeres als ein Jahr zuvor, ich hatte meine göttliche Einheit schon erlebt. Und wieder war ich am Ende der Welt. Ich hörte mir dieses Lied (in der Version von Vonda Shepard) immer wieder an. Wieder und immer wieder. Hinein in meine Wunde und darin herum bohren.

Irgendwann später erlebte ich wieder so eine Phase, ich weiß aber nicht mehr, wann. Und der Dezember 2009 war nicht das erste Erlebnis dieser Art. Jedes Mal war alles da, was einen verzweifelten Menschen ausmacht. Ich empfand fürchterliche Wut, Trauer, Ohnmacht, Zorn, Hilflosigkeit und sah nur dieses entsetzliche Loch, das Ende der Welt. Ich fluchte, flehte, bettelte, weinte, schrie, wimmerte, war laut, war piepsleise, alles zur selben Zeit.

Heute sehe ich auf diese Erlebnisse emotionslos und mit viel Mitgefühl. Ich fühle genau, wie ich mich und mein Leben damals empfunden habe, aber ich habe keine Emotionen dazu. Heute weiß ich, dass diese Erlebnisse eine Ausdrucksform meines Todeskampfes waren, mein altes, menschliches Selbst ist gestorben. Heute weiß ich, dass ein Mensch, der so etwas erlebt, auf dem sicheren Weg zu seinem vollständigen Erwachen ist, er erreicht sein Ziel mit absoluter Sicherheit. Das, was er sich in diesen Momenten am aller wenigsten vorstellen kann, ein Leben als göttlicher Mensch in der Neuen Energie, ist gerade dabei, geboren zu werden.

Hier nun dieses schöne Lied. Zuerst von der großartigen Vonda Shepard interpretiert, wie ich es schon lange kenne und gerne mag.

Und hier die Version aus den frühen 60er-Jahren, die ich gestern erstmals gehört habe. Der Sound dieser Zeit vermag seine ganz eigene Art von Traurigkeit zu erzeugen.