Selbstüberschätzung der Menschen-Seele

Die Seele, die gedenkt, in einen menschlichen Körper zu inkarnieren, überschätzt sich selbst zweimal maßlos. Das erste Mal, wenn sie sich für einen bestimmten Körper entscheidet und damit für eine bestimmte Familie und bestimmte soziale Verhältnisse. Das zweite Mal, wenn sie sich – bereits im menschlichen Körper – entscheidet zu erwachen.

Zum ersten Mal. Eine geraume Zeit, bevor eine Seele, die auf die Erde will, entscheidet sie sich für einen Körper. Dabei sieht sie sich an, welche Körper gerade zur Verfügung stehen und trifft dann ihre Wahl. Sie sagt dann ziemlich oft Dinge, wie „Schwierige Familienverhältnisse, üble Machtspiele.“ oder „Ausbeutung von Kindern.“ oder „Unterste soziale Schicht, keine Aussicht auf brauchbare Bildung.“.

Und in so gut wie allen Fällen sagt sie: „Egal, ich mach das schon. Da arrangiere ich auch gleich noch diese und jene Begegnungen, damit ich diese und jene karmischen Muster auflösen kann.“ Damit gibt die Seele ihrem Menschen oft eine unglaubliche Hypothek mit, die schwer oder kaum zu ertragen ist.

Die Seele macht das nicht aus böser Absicht, sie überschätzt sich einfach nur selbst maßlos. Sie glaubt wirklich, sie kann Hypotheken in fast beliebiger Höhe als inkarnierter Mensch dann stemmen. Sie vergisst, dass sie alles, was sie gelernt hat, wieder vergisst und bei Null anfängt. Und dann findet sie sich im Körper eines muslimischen Mädchens wieder, über dessen Schicksal von alten Männern spätestens bei der Geburt entschieden wird.

Und dann kommt es gelegentlich zu größeren Naturkatastrophen, wie zB dem Tsunami 2004, den viele ausgebeutete Kinder-Seelen dazu genutzt haben, die Erde wieder zu verlassen, weil sie die harte Kinderarbeit nicht mehr ertragen haben. Dieses Konzept der maßlosen Selbstüberschätzung der Menschen-Seelen ist nicht gerade durchdacht, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

Das bisher gesagte gilt natürlich, mit Ausnahme der soeben erwähnten Kinder, nur für Seelen, die schon einmal bzw. mehrere Male hier waren und halbwegs bewusst sind. Seelen, die schon einmal hier waren und unbewusst sind, schlüpfen ohne Wenn und Aber, ohne bewusst zu wählen sofort wieder in den nächstbesten menschlichen Körper.

Unmengen von Seelen drängen auf die Erde. In Europa und dem germanischen Nicht-Europa (angelsächsische Welt) hat man im 20. Jahrhundert erkannt, dass Qualität vor Quantität geht mit dem Ergebnis sinkender Geburtenraten. Mit einem besseren Leben für die verbleibende Bevölkerung. Im 21. Jahrhundert sind auch in Lateinamerika, das vorher lange Zeit die meisten Menschen gebar, zurückgegangen. Heute gibt es in Schwarzafrika noch relativ hohe Geburtenraten mit 3 – 4 Kindern pro Frau. China und Indien stehen auf einem sehr hohen Niveau, wachsen aber nicht mehr so schnell. Die muslimische Welt wächst und wächst und wächst, weil es dort als gut angesehen wird, viele Kinder und große Familien zu haben. Mindestens sechs Kinder pro Frau (in Europa), die zum Teil nur noch reine Gebärmaschinen sind. Das heißt, viele und immer mehr Seelen inkarnieren dort, weil es kulturell erwünscht ist und die Seelen viele Menschen zum Inkarnieren vorfinden. Die Seelen, die dann Menschen sind, finden das dann nicht so toll. Frauen sowieso nicht, weil sie unterdrückt sind. Aber auch die Männer sind eingesperrt in sehr engen Gefängnissen.

Die große Gemeinschaft aller Seelen hat bis jetzt keine Lösung für das rasante Bevölkerungswachstum auf der winzigen Erde gefunden. Sie sind sich nur darin einig, dass sie alle hierher wollen. Eine Zeit lang war viel von neuen Erden die Rede. Aber wenn ich mir das Bevölkerungswachstum hier ansehe, gibt es die neuen Erden (noch) nicht. Diese hier platzt aus allen Nähten. Aber das ist ein anderes Thema.


Nun zum zweiten Mal, wo sich Seelen selbst überschätzen, zur Entscheidung zu erwachen. An dieser Stelle sei einmal gesagt, dass diese Entscheidung die Seele fällt, nicht der Mensch. Der Mensch bestätigt nachher diese Entscheidung, wenn er merkt, dass plötzlich ganz andere Dinge für ihn wichtig sind als noch kurze Zeit davor. Also die Seele entscheidet sich fürs Erwachen, der Mensch bestätigt es später.

Ich habe bereits an mehreren Stellen erwähnt, dass dieses Erwachen sehr schnell vonstatten geht, obwohl es die betroffenen Menschen gerne viel schneller hätten. Nun, sie sind unbewusst und drücken ordentlich auf die Tube. Hier übernimmt der Mensch von der Seele die schlechte Angewohnheit der maßlosen Selbstüberschätzung und drückt und schiebt und zieht. Zu allem Überfluss hat das einen gewissen Erfolg, die erwachenden Menschen gewinnen tatsächlich viele Erkenntnisse und Einsichten, ihr Bewusstsein wächst. Und noch einmal zu allem Überfluss freut sich die Seele darüber, was der Mensch spürt und was sich gut für ihn anfühlt. So glaubt er, er sei auf dem richtigen Weg und schubst sich selbst noch mehr an.

Einer der aufgestiegenen Meister des Crimson Circles, ich weiß nicht mehr, welcher, hat es einmal so formuliert: „Es ist, als ob ihr mit 250 km/h auf der Autobahn fährt und dabei die Reifen wechselt.“ Und ich füge hinzu: „Und dabei einen Motorschaden repariert und einen Ölwechsel macht.“ Alles während der 250 km/h-Fahrt wohlgemerkt. Denn zu Schäden kommt es, und zwar zu ordentlichen.

Die Erwachenden verschlingen Bücher und die Worte von Meistern, machen Übungen, Trainings, Workshops und Seminare und meinen, sie würden sich weiter bewegen. In Wahrheit überfordern sie sich nur selbst am laufenden Band. Sie überholen sich selbst, und wieder und wieder. Viele reden von Neuer Energie und stecken tief in der Dualität fest. Viele reden von einem Neuen Bewusstsein und sind selbst verstrickt in Abhängigkeiten. Freiheit verstehen überhaupt die Wenigsten.

Die Seele ist zu dieser Zeit weit davon entfernt, erwachsen zu sein. Sie ist einfach nur Kind und versteht ziemlich wenig vom Menschenleben. Es kommt eine Zeit im fortgeschrittenen Erwachen, wo sie sich nicht einmal sicher ist, ob sie überhaupt vollständig erwachen will – oder nicht doch lieber anhalten soll. Diese Zeit kommt dann, wenn die Seele schon einiges vom erwachenden Menschen gesehen und bemerkt hat, dass das Leben im menschlichen Körper ziemlich ungemütlich ist.

Und wieder ist es der Mensch, der sagt: „Ja! Weiter! Ich will unbedingt weiter! Ich will endlich die Früchte ernten von dem ganzen Mühsal!“ Das ist verständlich, dennoch ist es bis zur Ernte noch ein langer, langer Weg, auf dem viel Altes losgelassen werden muss. Und das Loslassen, das kann man nicht beschleunigen. Jeder Versuch der Beschleunigung entpuppt sich als veritable Bremse und Umleitung.


Ich selbst habe, von wenigen Ausnahmen in der Phase 2 abgesehen, keinerlei Übungen, Workshops und Seminare gemacht. Als ich von den Kursen und Lehrgängen des Crimson Circle erfuhr, haben sich mir die Haare aufgestellt. Als ich viele Jahre später von den diversen Satsangs erfuhr, haben sich mir noch mehr Haare aufgestellt. Nichts desto Trotz hat mein Erwachensprozess nur drei Jahre gedauert, was natürlich viel zu schnell ist. Dennoch ist mir diese Entwicklung damals – und auch heute – nicht unnatürlich vorgekommen. Der Grund war der, dass ich ausschließlich mir selbst vertraut habe, vom allerersten Anfang bis heute. Da konnten alle sagen, was sie wollten, wenn das nicht meiner Wahrheit entsprach, war es Scheiße.

Erst etliche Jahre, nachdem ich reinen Gewissens von verkörperter Erleuchtung sprechen und schreiben konnte, habe ich immer besser gesehen, was Menschen da tun, welch unglaubliche Selbstüberschätzung sich da vor meinen Augen abspielt. Wie viel vorprogrammiertes Leid die Menschen – erwachende wie erwachte – da auf sich nehmen. Und dass aufgestiegene Meister da Null Hilfe sind, weil sie verkörperte Erleuchtung nicht kennen.

Ich sage es hiermit also noch einmal: Sowohl erwachende als auch erwachte Menschen leisten viel, viel mehr, als sie sich in ihren kühnsten Träumen vorstellen können. Wirklich viel, viel mehr. Aber Menschen sind nicht hier, um etwas zu leisten. Das möchte ich an dieser Stelle einmal laut und deutlich sagen! Also nehmt alle sofort den Fuß vom Gaspedal. Ihr nehmt ihn damit auch von der Bremse.

Ich bin nach meiner Erleuchtung viel zu lange am Gaspedal gestanden. Und das hat mir Schwierigkeiten höchsten Ausmaßes beschert.