Die Frau in mir

Reiners Blog

Abends nach 22h. Ich spiele Spider Solitär. Schon die ganze Zeit seit letzter Nacht geht mir der Gedanke im Kopf herum, dass sich eine Frau in mich verliebt hat und etwas von mir will. Zwei, drei Sätze in einem E-Mail haben genügt, um bei mir diesen Eindruck hervorzurufen. Ziemlich wenig.

Es sind weniger die Gedanken, die mich stören, als die damit verbunden Gefühle. Das fühlt sich so unangenehm an, irgendwie schmuddelig, sogar ein bisschen grauslich. Ich will nicht, dass sie sich in mich verliebt. Ich fühle mich, als ob ich etwas tun müsste. Ich muss diese Verliebtheit abwehren. Ich muss etwas tun, damit sie nicht mehr verliebt ist und ich wieder in Ruhe leben kann. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht in Ruhe leben kann, wenn sie in mich verliebt ist. Ich muss irgendetwas richten, etwas reparieren. Ich bin in Zugzwang. Und dabei muss ich vorsichtig und diplomatisch sein.

Es steigen all die Situationen auf, in denen Frauen in mich verliebt waren, von denen ich es nicht wollte. Immer dasselbe unangenehme Gefühl. Immer das Abwehren, das diplomatisch Sein. Ich fühlte mich immer in die Enge getrieben durch das Verliebtsein dieser Frauen in mich. Es war mir nie egal, ich konnte nie damit spielen, und ich konnte auch kaum weglaufen. Ich musste es abwehren.

Mir kommt das Lied „I can’t fight this feeling“ von REO Speedwagon aus den 80ern in den Kopf. „I can’t fight this feeling any longer, and yet I’m still afraid to let it flow.“ Was soll das schon wieder? Ich habe das früher mit angenehmer Verliebtheit meinerseits verbunden. Aber das jetzt ist das Gegenteil von angenehm!

Ich lasse alles so stehen bzw. fließen und spiele vor mich hin. Mir fallen meine Bewegungen beim Rauchen und Kaffee Trinken auf, sie kommen mir sehr weiblich vor. Und plötzlich ist da dieser Gedanke: In früheren Leben, als ich eine Frau war, verliebten sich Männer in mich, die mir unangenehm waren. Oder sie verliebten sich nicht in mich, sondern wollten aus anderen Gründen etwas von mir. Und ich musste sie womöglich heiraten oder einen ähnlich Blödsinn. Wie zB eine meiner Schwestern, mit der ich verheiratet war. Sie war der Mann, ich die Frau. Es war ein Desaster.

Und plötzlich ergibt alles einen Sinn. Früher konnte ich als Frau nicht weglaufen, ich konnte nur versuchen, dieses unangenehme Etwas abzuwehren. Wahrscheinlich musste ich es die meiste Zeit einfach ertragen. Bei meiner Abwehr musste ich diplomatisch sein, sonst war ich womöglich in Gefahr. Es passt einfach alles. Die Gefühle, die ich jetzt empfinde, die ich in diesem ganzen Leben empfunden habe, wenn sich eine Frau in mich verliebte, von der ich es nicht wollte, passen so gut zu Umständen in früheren Leben als Frau. Ich fragte mich nämlich schon dann und wann und besonders heute, warum ich in solchen Situationen so heftig reagiere. Das könnte mir ja eigentlich ziemlich egal sein. Und schon habe ich eine Antwort. Das ging ja heute ziemlich schnell.

Jetzt sitze ich da und schreibe Tagebuch, um mehr herauszufinden. Zuerst wollte ich mehr über diese früheren Leben herausfinden. Aber jetzt ist mir klar, dass ich herausfinden will, was ich nun mit dieser Situation tun will. Will ich mehr herausfinden, oder will ich es einfach so stehen lassen? Mein Verstand will mehr über die früheren Leben wissen. Ich mag aber gar nicht weiter bohren. Welchen Nutzen sollte dieses Wissen jetzt haben? Ich fühle, was ich fühle, das genügt. Und ich habe die für mich absolut richtige Ursache für dieses Gefühl gefunden. Also lasse ich das Gefühl da, lasse mich weiter weiblich sein und spiele weiter Spider Solitär. Irgendwann demnächst werde ich sicher mehr über diese Inkarnationen erfahren. Oder auch nicht.

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Bei all der Freude, die mir dieser Tage wieder zufliegt (auch viel hinter den Kulissen der Plattform), wurde gleichzeitig ein Thema immer präsenter. Ein Thema, das ich seit langer Zeit fühle, seit Beginn von Shaumbra Österreich, das ich aber gerne im Hintergrund sitzen ließ. Es passt auch ganz gut, es passt zu meiner persönlichen Zeitqualität, denn alles, was versteckt blieb, muss an die Oberfläche. Das Thema lautet Teilen und Beitragen.